Von wegen Volkspartei

Um den Begriff der Volkspartei ist in der politischen Diskussion mittlerweile ein regelrechter Kulturkampf entbrannt. Dürfen sich CDU und SPD bei ihren stetig schrumpfenden Wahlergebnissen noch als solche bezeichnen? Ist gar die AfD zur neuen Volkspartei aufgestiegen? Die überraschende Antwort findet sich wieder mal in den Wahldaten. Wir haben die Landtagswahlen 2019 in Brandenburg unter die Lupe genommen.

Brandenburg – Landtagswahl 2019

Von wegen Volkspartei

Um den Begriff der Volkspartei ist in der politischen Diskussion mittlerweile ein regelrechter Kulturkampf entbrannt. Dürfen sich CDU und SPD bei ihren stetig schrumpfenden Wahlergebnissen noch als solche bezeichnen? Ist gar die AfD zur neuen Volkspartei – gerade angesichts der Wahlergebnisse im Osten Deutschlands – aufgestiegen?

Was ist eine Volkspartei?

Um diese Frage von einer wissenschaftlichen Warte aus klären zu können, muss zunächst der Begriff „Volkspartei“ definiert werden. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist eine Volkspartei eine solche Partei, die nicht einzelne Themen gezielt besetzt oder sich für eine spezielle Klientel einsetzt, sondern eine breite Wählerschaft anspricht – sowohl was die angebotenen Inhalte als auch die Verankerung in verschiedenen gesellschaftlichen Milieus betrifft.

Daten liefern die Antwort

Doch wie kann eine derart abstrakte Definition konkret überprüft werden? Kann man die „Volksparteilichkeit“ sogar messen? Ein Blick auf die Bee Statistics Matrix liefert überraschende Antworten. Die Matrix stellt die Performance einer Partei über die Wahlkreise Brandenburgs auf einen Blick grafisch dar. Auf der horizontalen Achse ist das Zweitstimmenergebnis der jeweiligen Partei bei der Landtagswahl 2019 aufgetragen. Auf der vertikalen Achse wird die Veränderung des Ergebnisses gegenüber der Landtagswahl 2014 abgebildet. Die Größe der Symbole veranschaulicht den Zweitstimmenanteil gemessen an allen Wahlberechtigten des Wahlkreises.

Die Bee Statistics Matrix für die Landtagswahl 2019 in Brandenburg zeigt die Performance der ausgewählten Partei

Erläuterung: Die Matrix stellt die Performance einer Partei über die Wahlkreise Brandenburgs dar. Auf der horizontalen Achse ist das Zweitstimmenergebnis der jeweiligen Partei bei der Landtagswahl 2019 aufgetragen. Auf der vertikalen Achse wird die Veränderung des Ergebnisses gegenüber der Landtagswahl 2014 abgebildet. Die Größe der Symbole veranschaulicht den Zweitstimmenanteil gemessen an allen Wahlberechtigten des Wahlkreises. Der Schnittpunkt beider Achsen repräsentiert das mittlere Ergebnis der Partei.
Beispiel: Befindet sich ein Wahlkreis somit im rechten oberen Quadranten, so erzielt die Partei hier ein starkes Ergebnis (besser als der Durchschnitt) und konnte überdurchschnittliche Gewinne einfahren. Im Gegensatz hat ein Wahlkreis im linken unteren Quadranten ein schwaches Stimmergebnis und unterdurchschnittlich dazu gewonnen. Faustregel: je mehr Wahlbezirke im rechten oberen Quadranten, desto besser für die Partei.
Datenquellen: Ergebnis der Landtagswahl 2014 und 2019 in Brandenburg, Der Landeswahlleiter/Landesabstimmungsleiter des Landes Brandenburg.

AfD und Co bleiben trotz guter Ergebnisse Klientelparteien

Ein Blick auf die Bee Statistics Matrix zeigt: Während CDU und SPD die typische Verteilung von Wahlergebnissen und Gewinnen/Verlusten einer breit aufgestellten Volkspartei zeigen, ist die AfD – genau wie die Grünen, die FDP und teilweise auch die Linke – vom Verlauf ihrer BS-Matrix her eine typische Klientelpartei: Das äußert sich in der Tatsache, dass u. a. die AfD in den Wahlkreisen, in denen sie ohnehin schon überdurchschnittlich starke Wahlergebnisse erzielen konnte, auch überdurchschnittlich starke Gewinne verbucht hat (Symbole im Quadranten rechts oben). In Wahlkreisen mit unterdurchschnittlichem Zweitstimmenanteil konnte die AfD hingegen auch nur unterdurchschnittlich hinzugewinnen (Symbole im Quadranten unten links). „So entsteht die für eine Klientelpartei typische ‚Gerade des Auf- oder Abstiegs‘ – je nachdem ob ihre speziellen Themen bei der aktuellen Wahl in der Gunst der Wähler lagen oder nicht“, erklären Benjamin Albrecht und Frank Schneider von Bee Statistics.

CDU und SPD breit aufgestellte Volksparteien

CDU und SPD hingegen zeigen als klassische Volksparteien keinen besonderen Trendverlauf in der BS-Matrix; ihr Erscheinungsbild gleicht hingegen einer homogenen Wolke (Symbole über alle vier Quadranten verteilt). Im Unterschied zu den Klientelparteien existieren hier auch starke Wahlkreise, in denen stark verloren wurde (Symbole im Quadranten rechts unten) oder eher schwache Wahlkreise, die große Zuwächse verzeichnen konnten (Symbole im Quadranten links oben).

Werden Sie mit der BS-Matrix selbst zum Datenanalysten

Wählen Sie im Auswahlfeld eine beliebige Partei aus. AfD, Grüne und FDP zeigen das typische Bild einer Klientelpartei: Die Symbole liegen auf einer Geraden (in diesem Fall steigend). Bei der Auswahl von CDU und SPD werden Sie hingegen eine breit gestreute wolkenartige Verteilung der Symbole sehen. Und wie sieht es bei den anderen Parteien aus?

Zur BS-Matrix

Daten liefern eindeutige Antwort

Die Frage, wer Volkspartei ist und wer nicht ist, von dieser Warte daher eindeutig geklärt: Auch bei schwindendem Stimmanteil insgesamt können CDU und SPD ihre breite soziale Verankerung über alle Wahlkreise eines Bundeslandes beibehalten, alle anderen Parteien (mit kleinen Abstrichen bei der Linken) zeigen den typischen Verlauf von Klientelparteien.

Landtagswahlen in Sachsen

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